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Verstromt auf den Gugelhupf

Die Tiroler Region Hohe Salve ist das erste E-Rennrad-Revier der Welt

- Anzeige - | Text/Bilder: Norbert Eisele-Hein 

Klack, Klack, Klack - kaum rangefahren lassen wir die Kette nach unten wandern. Kurz in den Wiegetritt und aufs magische Knöpfchen gedrückt. Schon sind wir weg ... Ganz schön fies eigentlich. Der Rennradtruppe, allesamt top ausgerüstet, in top Teamtrikots gewandet und sichtbar top trainiert, bleibt erstmal die Spucke weg. Der Gesichtsausdruck der Abgehängten zwischen Erstaunen, Bewunderung und Frust ist ein Anblick für Götter. Schon biegen wir in die letzte Serpentine hoch zur Tennhütte auf der Hohen Salve ein. Wir sind zwar nicht besser trainiert, verfügen aber über 200 Watt elektrischen Rückenwind. Der Antrieb elegant im Sattelrohr versteckt, der Akku lagert fast unsichtbar im kleinen Satteltäschchen und der flotte Flitzer bleibt sogar noch unter der Zehn-Kilo-Marke.

Damit gehört der Logenplatz in der Tenn natürlich uns. Unser alkoholfreies Weißbier steht schon auf dem Tisch, als die Verfolger eintrudeln. Argwöhnisch beäugen sie unsere Räder. "Dürfen wir die mal hochheben", frägt Martin aus Ebersberg. "Natürlich", entgegnen wir schmunzelnd.

"Setzt euch doch zu uns". Ein Fitness-Salat mit einem frisch gebratenen Wiener Schnitzel. Die hübsche Kellnerin im prächtigen Dirndl bringt noch ein paar isotonische Biere. Im Weißbierglas spiegeln sich die Kitzbühler Alpen und gleich hinter der Schaumkrone ragen die Eisriesen der Hohen Tauern in den stahlblauen Himmel. Der perfekte Rahmen für einen lässigen Tech-Talk mit Gleichgesinnten. Was für ein Auftakt für unser elektrifiziertes Wochenende. Letztlich sind wir uns alle einig. E-Räder haben längst das Reha-Image abgeschüttelt. Der zusätzliche Strom in der Wade hat viele Vorteile: Leistungsunterschiede verschieden starker Partner lassen sich wunderbar ausgleichen. Senioren haben wieder mehr Spaß am Radfahren und wir Kurzurlauber können die umwerfende Schönheit der Tiroler Bergwelt viel intensiver genießen, wenn die Schläfen eben nicht ständig im Stakkato gegen den Helm hämmern. Martin und seine Freunde sind richtiggehend erleichtert, dass wir sie elektrisch aufgemotzt abgeledert haben. Somit schmerzt die verlorene Bergwertung nicht so sehr.

In den Kitzbühler Alpen, wo im Winter Skifahrer mit der Zunge schnalzen, finden Radfahrer aller Gattungen gleich nach der Schneeschmelze ein wahres El Dorado. Die sanften grünen Hügel und die breiten Täler rings um die 1829 Meter Hohe Salve sind wie geschaffen für Stromradler. Mountainbiker schätzen die acht Talorte: Hopfgarten, Westendorf, Brixen im Thale, Going, Ellmau, Scheffau, Söll und Itter rund um den schönsten Aussichtsberg Tirols schon lange. Die unzähligen Trails, der Kitzalp-Marathon und die Downhillstrecke in Hopfgarten sind eine Klasse für sich. Doch nun haben die immer schon Sport-affinen Tiroler abermals einen echten Coup gelandet und zusammen mit der Firma Gruber Antriebe in Wörgl die erste E-Rennrad-Region der Welt ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den Regionen Kitzbühler Alpen und Wilder Kaiser bietet die Ferienregion Hohe Salve nun die größte E-Rad-Region der Welt mit 80 Verleihstationen und über 300 Räder. Für die Ferraris der E-Räder, die Vivax-Renner mit dem Gruber-Turbo wurden Testcenter eingerichtet und günstige E-Bike Wochenenden mit tollen Hotels arrangiert. Respekt - was die Tiroler in die Hand nehmen, das machen sie richtig.

Nächstes Ziel: Kelchsau. Diesmal schauen wir uns die Hohe Salve, diesen göttlichen Gugelhupf, mal von gegenüber an. Genießen die Rampe hoch zum Schwaigerberg. Ausgedehnte Schleifen, kaum Verkehr, links und rechts Bauernhöfe wie aus dem Heimatmuseum. Die Wände aus uraltem, von der Sonne fast schwarz gebranntem Lärchenholz. Balkone mit ganzen Wolken voller Geranien, die wie impressionistische Gemälde über die Brüstung wallen. Bergwiesen rauschen wie in einem Daumenkino an uns vorüber. Betören das Auge und schmeicheln der Nase. Kühe stehen wie Monumente kitschig in steilen Hängen. Ein Bergbauer mit wettergegerbtem Gesicht wetzt seine Sense, während er genüsslich eine Pfeife schmaucht. Weit reicht der Blick in die Kitzbühler Alpen. Zum markanten Horn und zum Hahnenkamm, wo es jedes Jahr wieder aufs Neue zum Showdown in der Königsdisziplin des Wintersports, der alpinen Skiabfahrt kommt und der Schicki-Micki-Zirkus ringsherum die Boulevard-Blätter füllt.

Nach einer fulminanten Abfahrt pausieren wir in Hopfgarten - mit rund 5000 Einwohnern die Schaltzentrale des Brixentals, das sich längs an die Hohe Salve schmiegt. Ein Cappuccino und ein Apfelstrudel mit Blick auf die monumentale Pfarrkirche Sankt Jakob und Sankt Leonhard erfreut unseren körpereigenen Akku. Der barocke, doppeltürmige "Dom des Brixentals" wurde zwischen 1758 und 1764 erbaut und gilt als das weithin sichtbare Wahrzeichen Hopfgartens.

Anderntags schlendern wir zuerst durch Wörgl und erklimmen im direkten Anschluss den Angerberg mit unseren Flitzern. Von dort oben sehen wir die größte Stadt des Brixentals direkt vor der Hohen Salve thronen. Im Formationsflug rauschen wir über eine schattige Waldschleife zur Wallfahrtskirche Maria Stein. Das Bilderbuchkirchlein thront auf gewachsenem Fels westlich des Inns. Der kraftspendende Ort des Tiroler Unterlands liegt direkt am Jakobsweg, dem berühmtesten europäischen Pilgerweg mit seinem Endziel im spanischen Santiago de Compostela, und wird gerade im Frühjahr von zahlreichen Pilgern angesteuert.

Beim Aufstieg von Itter hinauf zur 1355 Meter hoch gelegenen Kraftalm preisen wir abermals unser "Knöpflein" für den Raketenantrieb. Die Rampe ist eine harte Nuss. Die unzähligen Kehren schrauben sich förmlich in den Himmel. Der heiße Asphalt leuchtet in der prallen Sonne wie ein metallenes Band. Ohne unser "Pimp-my-Ride"-Programm, dem genialen Antrieb der Firma Gruber, müssten wir hier ganz schön keulen. Endlich oben steht fest - die Tour ist jeden Schweißtropfen wert. Wir sind fast auf Augenhöhe mit den zerfurchten Steilwänden des Wilden Kaisers. Wie die Rückenflossen eines gestrandeten Zackenbarschs ragen seine spitzen Klettergipfel aus der Ebene. Direkt am Gipfelkreuz lädt ein lauschiges Bänklein zum romantischen Verweilen. Wer die Freundin zu Hause gelassen hat oder keinen Müsliriegel dabei hat, im nahen Gasthof "Kraftalm" gibt's zum Panorama noch ofenfrische Braten, leckere Brotzeiten und für süße Schlemmer auch die obligatorischen Strudel.  Die nahe Wallfahrtskapelle wurde im Jahr 1983 zu Ehren der Patrone der Milchwirtschaft, des Hl. Lucio, des Hl. Theodul und des Hl. Friedolin vom Verband der Tiroler Käserei- und Molkereifachleute errichtet. Sie soll als ein symbolisches Zeichen der Verbundenheit aller, die in und für die Milchwirtschaft arbeiten, ein Ort der Besinnung und des Gebets sein. Die Optik der 80er Jahre ist allerdings gewöhnungsbedürftig.

Zum Abschluss erobern wir abermals die sonnige Südseite der Hohen Salve. Schrauben uns über zahlreiche Serpentinen hoch zur Sunnseit-Hütte. 750 Kilometer nach Berlin, 830 Kilometer nach Rom offenbart der "Milemarker" auf der Terrasse. Eigentlich wollen wir ja nur zum Schlössl, keine sechs Kilometer von der urigen Hütte entfernt... aber mit diesen Rädern würden wir es auch spielend nach Rom schaffen.

Allgemein

Ganze 30 Kilometer lang zieht sich das Brixental von Wörgl bis nach Kitzbühel hin.

Mittendrin liegt die Schaltzentrale Hopfgarten. Rings um die Hohe Salve gibt es zahlreiche Zuckerl für alle E-Radfahrer. Die E-Rennräder ermöglichen einen sportlichen Schnitt und eine enorme Reichweite.

Reisezeit

Mai – Oktober

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